| Anzucht auf der Fensterbank |
| Sommerblumen und Gemüse aus eigener Vermehrung |
| Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn die Samen in der Aussaat-Erde zarte Keimlinge hervorbringen. Dieses kleine Wunder der Natur lässt sich im Frühjahr gezielt wiederholen und zur Anzucht eines Pflanzen-Sortiments nutzen. |
| "Sommerblumen" sind vorwiegend Züchtungen einjähriger Pflanzen, deren Ureltern aus verschiedenen Regionen der Erde stammen; so etwa Petunien, deren Wildformen in Südamerika heimisch sind oder Tagetes, die in Mexiko wild wachsen. Es gibt aber auch mehrjährige Arten, die nur einjährig kultiviert werden (z.B. Pelargonien und Fuchsien). Ebenso, wie viele Blütenpflanzen, stammen die meisten Gemüse aus tropischen oder subtropischen Ländern. Dazu zählen Tomaten, deren Wildformen in Südamerika gedeihen, Kürbisse aus Mittelamerika und Gurken, die aus Indien importiert wurden. Sowohl Sommerblumen, als auch die Fruchtgemüse aus warmen Ländern, brauchen eine Vorkultur. Das heißt, sie werden im Haus gesät und dann im Frühjahr, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind, ins Freie gepflanzt. |
| Einjährige Pflanzen |
| Die bekanntesten Sommerblumen sind die "Geranien" oder besser gesagt Pelargonien, die in ihrer südafrikanischen Heimat mannshohe Büsche bilden und botanisch zu den Gehölzen zählen. Auch Fuchsien, die vorwiegend von südamerikanischen Wildarten stammen, sind ausdauernde Gehölze. Die meisten Sommerblumen sind jedoch - ebenso wie das Gros der Gemüse - einjährige Pflanzen, die im Herbst absterben, nachdem sie Samen entwickelt und für ihren Arterhalt gesorgt haben. Sie werden deshalb auch vorwiegend durch Samen vermehrt. |
| Sortenreines Saatgut wählen |
| Für sortenreine Pflanzen ist Züchter-Saatgut nötig. Samen von eigenen Pflanzen bringen meistens weniger "wertvolle" Nachkommen hervor, zumal sie weniger auffällige Blüten tragen als die Mutterpflanzen. Das gilt auch für Gemüse-Sorten. Mehltauresistente Gurken, Tomaten mit besonders großen Früchten oder gelbe Zucchini sind nur durch sortenreines Saatgut zu bekommen. |
| Termine beachten |
| Die Anzucht muss zeitig beginnen - bei Petunien beispielsweise schon im Januar/Februar, weil sie lange zum Keimen brauchen. Auch bei Fruchtgemüse, wie Tomaten und Paprika, lohnt sich die vorzeitige Aussaat, etwa wenn ein frostfreies Gewächshaus zur Verfügung steht. Hier ist dann die Pflanzung der vorkultivierten Sämlinge bereits im April möglich. Ausdauernde Arten, wie etwa Pelargonien, lassen sich einfacher und schneller durch Stecklinge ziehen, die von erhaltenswerten Mutterpflanzen geschnitten und in Töpfen mit lockerem Substrat bewurzelt werden. Dazu können alte Exemplare vom Vorjahr dienen, die im Haus überwintert wurden. Auch für die Vermehrung durch Stecklinge bietet eine helle warme Fensterbank beste Bedingungen. Neben Pelargonien lassen sich Fuchsien, Buntnesseln und andere mehrjährige Arten durch kurze Triebabschnitte ziehen. |
| Für Licht und Wärme sorgen |
| Die Anzucht der Sommerblumen und Gemüse beginnt rechtzeitig im Spätwinter oder im zeitigen Frühjahr. In der Regel fängt die Saatzeit im Februar/März an, wenn die Tage wieder spürbar länger werden. Das ist wichtig, damit die Sämlinge nicht "vergeilen". Zu früh lohnt sich die Aussaat nicht, denn bei Lichtmangel werden die Sämlinge zu langstielig. Nur für Sommerblumen mit langer Anzuchtzeit ist ein früherer Termin nötig; so etwa für Petunien und Pelargonien. Sie brauchen eine künstliche Beleuchtung, weil die Tage im Spätwinter oft noch zu wenig Tageslicht bieten. Beachten Sie deshalb bei der Auswahl der Sämereien deren Saatzeit und schaffen Sie entsprechende Bedingungen. Falls dies - etwa mangels Pflanzenleuchten - nicht möglich ist, lässt man "schwierige" Arten besser bleiben oder besorgt sich die Jungpflanzen dann zur rechten Zeit beim Gärtner, der ideale Anzuchtbedingungen und zur Pflanzzeit gute "Ware" hat. Die Anzucht von Tagetes, Kapuzinerkresse, Prunkwinden und vielen anderen schönen Sommerblühern ist allerdings kinderleicht und bei einfachsten Bedingungen möglich; ebenso die Aussaat von Tomaten, Paprika, Zucchinis und weiteren Gemüse-Arten. Sie brauchen vor allem viel Wärme zum Keimen und genügend Licht zum Aufwachsen. |
| Sorten mischen |
| Saatgut gibt es in vielen Sorten. Es lohnt sich verschiedene Züchtungen zu kultivieren. Dadurch vergrößert sich das Angebot an unterschiedlichen Blüten und Früchten. Zudem lässt sich die Blüte- und Erntezeit verlängern. Neben alten bewährten Sorten ist es möglich, neue Züchtungen zu testen. Zu empfehlen sind vor allem solche Züchtungen, die sich durch besondere Eigenschaften, wie lange Blütezeit, leuchtende Farben oder ungewöhnliche Widerstandfähigkeit gegen Krankheiten auszeichnen. Das ist vor allem bei Fruchtgemüse, wie Gurken und Tomaten zu beachten, die häufig von Krankheiten, wie Mehltau oder Krautfäule betroffen sind. Diese Pilzkrankheiten können erhebliche Probleme machen und völlige Ausfälle zur Folge haben. Als recht widerstandsfähig gegen die Krautfäule haben sich die kleinen Cocktailtomaten gezeigt, die nahe mit den Wildtomaten verwandt sind. Obwohl sie nicht verschont bleiben, greift die Krankheit erst verhältnismäßig spät auf diese Sorten über. Zu den großfrüchtigen Züchtungen, die weniger anfällig sind, gehören:'Pyros', 'Verano', 'Hilmar' und 'Master'. Völlig resistente Züchtungen gibt es leider noch nicht. |
| Tipp: Auswahl beschränken |
| Die bunten Bilder auf den Saattüten regen zum Einkauf an. Wählen Sie aber nur so viel Saatgut aus, wie Sie verarbeiten können. Aus wenigen Samen entwickelt sich eine Fülle an Jungpflanzen, die dann zu versorgen sind. Am besten stellen Sie Pflanzpläne zusammen, auf denen die gewünschten Arrangements in den Blumenkästen, Sommerblumerabatten und Gemüsebeeten ersichtlich sind. |
| Aussaat je nach Art |
| Für das ausgewählte Saatgut sind Kistchen, Schalen oder kleine Töpfe nötig, sowie feine Aussaaterde und ein heller, warmer Platz. Je nach Art und Größe der Samen werden diese flach auf die Erde gestreut oder in die Töpfe gesteckt. Auch dazu sind die Angaben auf der Packung zu beachten, zumal zwischen Lichtkeimern (z.B. Ziertabak, Lobelie, Celosia) und Dunkelkeimern (z.B. Zierkürbis, Nigella, Phacelia) zu unterscheiden ist. Je nach dem müssen die Sämereien zum Keimen hell oder dunkel gestellt beziehungsweise abgedeckt werden. Die Erde ist gut feucht zu halten, dann geht die Saat nach ihrer Zeit auf (je nach Art nach Tagen oder Wochen). Bis dahin sind die Saatgefäße ständig zu kontrollieren und falls nötig zu bewässern (aber nicht vernässen!). Optimal ist eine Keimtemperatur von etwa 20°C. Dann geht die Saat schön gleichmäßig auf. Dunkelkeimer brauchen nach der Keimung sofort Licht! |
| Rechtzeitig vereinzeln |
| Sobald die Pflänzchen nach den Keimblättern die ersten richtigen Blätter entwickelt haben und dicht zusammengewachsen sind, ist es Zeit zum Pikieren (Vereinzeln). Dies geschieht schonend und einfach mit einem Pikierhölzchen. Dabei dürfen die Wurzelchen nicht beschädigt werden. Und zwar setzt man kräftige Pflänzchen in passende Töpfe mit gedüngter Erde. Bei Arten, deren Samen einzeln in Töpfe gesteckt wurden (z.B. Sonnenblumen) erübrigt sich natürlich das Pikieren. Sie werden in größere Töpfe gesetzt, sobald sie gut bewurzelte Ballen gebildet haben. Schwache Pflänzchen bleiben noch in den Saatgefäßen. Die pikierten sollten ungehindert wachsen können. Dennoch darf der Abstand zu den Nachbarpflanzen nicht zu groß sein, denn das verzögert die Entwicklung. Sobald die Töpfe durchwurzelt sind, wird erneut umgetopft. Schließlich kommen die Jungpflanzen dann zur rechten Zeit in die Blumenkästen oder direkt ins Freie. Und zwar behagt den meisten Sommerblumen und Gemüsepflanzen ein Platz an der Sonne in lockerer nährstoffreicher Erde. Falls nötig wird der Boden vorher tiefgründig gelockert und mit Kompost versorgt. Bei Sämereien, die direkt ins Freiland gesät werden, erübrigt sich natürlich die Vorkultur in Töpfen. |
| Tipp: Abhärten | ||
| An milden Tagen kommt den Jungpflanzen schon vor der Pflanzzeit ein Aufenthalt im Freien sehr zugute. Abgehärtete Pflänzchen sind wesentlich stabiler als verwöhnte. Natürlich macht das Aus- und Einräumen Mühe. Die Anzuchtgefäße dürfen nicht im Freien vergessen werden, sonst macht eine Spätfrostnacht den ganzen Jungpflanzenbestand zunichte.
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