Citrus-Pflanzen veredeln


Citrus-Sämlinge blühen und fruchten als Kübelpflanzen nicht. Die verschiedenen Arten und Sorten werden deshalb ungeschlechtlich durch Stecklinge oder durch Veredelung gewonnen.

Je nach Art der Veredelung bekommen die Unterlagen entweder im Frühjahr jeweils einen Trieb von einer ausgewählten Citrus-Pflanze aufgepfropft oder im Sommer Knospen eingesetzt. Sobald die selbstgezogenen Jungpflanzen etwa Bleistiftstärke erreicht haben, sind sie bereit zum Veredeln. Beim Okulieren im Sommer wird ein junger Trieb von einer gesunden Mutterpflanze geschnitten. Das kann ein bereits veredeltes älteres Exemplar einer beliebigen Citrus-Sorte sein. Der Trieb ist unverzüglich weiter zu behandeln und zwar sind zunächst die Blätter zu entfernen. Das Entblättern muss vorsichtig mit einer Schere geschehen, denn in den Blattachseln sitzen die Knospen, die zum Veredeln dienen. Kurze Blattstielchen bleiben erhalten. Sogleich kommt die Veredelungs-Unterlage an die Reihe. Auch sie wird an der Veredelungsstelle entblättert und zudem mit einem Tuch gesäubert. Dann erfolgt mit einem scharfen Messer ein T-Schnitt in die Rinde. Sobald die beiden Rindenlappen mit dem Messerrücken vom Holz gelöst und aufgeklappt sind, kann eine Knospe mit einem flachen Rindenanteil vom Edeltrieb geschnitten und eingesetzt werden. Bei diesen etwas knifflichen Handgriffen ist darauf zu achten, dass das Messer flach angesetzt und durchgezogen wird, ohne die Schnittfläche zu berühren. Nach dem Einsetzen in die Unterlage und dem Verbinden wachsen die beiden Partner zusammen. Der Austrieb der edlen Knospe erfolgt nach einer gelungenen Okulation noch im selben Jahr. Dann ist die Weiterbehandlung des jungen Okulanten nicht zu vernachlässigen. Sobald der edle Austrieb die ersten Blätter gebildet hat, ist es nötig den Wildtrieb abzuwerfen. Das heißt, die Unterlage wird direkt über der Veredelungsstelle abgeschnitten. Das fördert die weitere Entwicklung des edlen Triebes. Damit sich daraus ein Stämmchen bildet, bekommt die junge Veredelung einen Stützstab aus Bambus. Zum Binden eignet sich vorzugsweise Naturbast. Im Winter brauchen Citrus-Pflanzen ein frostfreies, helles Quartier. Das gilt insbesondere für junge Veredelungen. Die immergrünen Kübelpflanzen lassen sich beispielsweise in einem gering temperierten Wohnraum gesund durch den Winter bringen. Häufiges Lüften hilft vor Spinnmilbenbefall. Zur Vorsorge gegen Blattchlorosen ist ein spezieller Eisendünger zu empfehlen. Die Düngung mit wachstumsfördernden Mitteln darf allerdings erst im Spätwinter erfolgen, wenn die Tage wieder länger werden und zum Austreiben anregen.

Arbeitsschritte:

Edeltrieb schneiden
Jungen Trieb von einer erhaltenswerten Citruspflanze schneiden
Edeltrieb entblättern
Mit einer scharfen Schere die Blätter bis auf kurze Blattstiele abschneiden
Unterlage aufputzen
Den Citrus-Sämling, der als Veredelungs-Unterlage dient, frei schneiden
Veredelungsmaterial
Zum Veredeln wird neben der Veredelungs-Unterlage gebraucht: Edeltrieb, Schere, Veredelungsmesser, Bast
Auge schneiden
Mit scharfem Messer eine Knospe mit Rindenanteil flach vom Trieb abschneiden
Auge ablösen
Knospe mit Rindenanteil vom Trieb ablösen
Auge nach Schnitt
Edelauge mit Rindenanteil nach dem Schnitt
Hölzchen auslösen
Auslösen den Holzschildchen auf der Rückseite ohne Verletzung des Auges
Einschnitt in die Unterlage
Zunächst senkrechter Einschnitt in die Rinde
T-Schnitt in die Unterlage
Querschnitt in die Rinde, dadurch T-förmiger Einschnitt
Rinde ablösen
Mit einem Rindenlöser oder dem Messerrücken die beiden Rindenlappen vom Holz ablösen
Auge einschieben
Auge hinter die beiden Rindenlappen in den T-Schnitt einschieben
Rindenzunge abschneiden
Auge mit Hilfe des Rindenlösers tief einschieben und überstehende Rindenzunge abtrennen
Verbinden mit Bast
Rindenlappen wieder andrücken und Veredelungsstelle mit Bast verbinden
Verbinden mit Bast
Beim Verbinden mit Bast die edle Knospe frei halten
Zwei Veredelungen
Zwei Veredelungen verbessern die Anwachschancen
Citrusbäumchen
Veredeltes Citrusbäumchen mit Blüten und Früchten

Hinweis:
Die Zeit zum Okulieren ist auf die Wachstumsperiode beschränkt, zumal die Rinde dann Saft fährt und sich leicht vom Holzstämmchen lösen lässt. Der Eingriff ist bei Kübelpflanzen bereits im Spätwinter möglich, die - anders als etwa Rosen oder Obstgehölze im Freiland - vorzeitig im Saft sind.

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